Die Berliner Bringmann-Veranstaltung zur Corporate Reputation war eine durchaus gelungene. Im Gegensatz zu meinen ersten Befürchtungen wurde der Reputationsbegriff in der Tat unter sehr vielen Facetten thematisiert und nicht nur als Maginot-Linie zwischen Unternehmen und Stakeholdern. Die Ergebnisse des Workshops werde ich noch an der einen oder anderen Stelle aufgreifen, hier erst einmal ein kurzer Überblick:
- Kadens Einführungsvortrag war eine gute Tour d'Horizon, berufsbedingt jedoch zu stark auf das Verhältnis zwischen Unternehmen und Medien fixiert und zudem etwas unscharf in seinen Begrifflichkeiten: Ansehen, Image und Reputation wuchsen quasi ineinander und wurden nicht klar voneinander abgetrennt.
- Elisabeth Schick fokussierte sehr (zu?) stark auf die Rolle ihres CEO, legte die Mechanismen der internen Abstimmung bei BASF auseinander und wurde wegen des Engagements bei Yusufs Grameen Bank kritisiert, das manche als zu kleinteilig und zu unstrategisch (da nur Hambrechts Vorlieben entsprechend) kritisierten. Ich persönlich konnte der Argumentation, dies sei ja erst einmal nur ein Test recht gut folgen: Hambrecht ist Schwabe!
- Galli-Zugaro wie immer sehr motivierend, inspirierend und außerdem eine gute Show. Sein Ansatz, Kommunikatoren durch kommunizierende Manager und Mitarbeiter zu ersetzen ist sicherlich der mit Abstand wegweisendste und entspricht zudem auch den Notwendigkeiten bei der Etablierung eines echten Dialogs.
- Volker Heck von RWE zeigte, wie man sich aus einer Reputationsfalle zu befreien versucht, indem man durch eine veränderte Identität ("VoRWEeg gehen") neue Themen auf die Tagesordnung bringt statt die Konfrontation mit den alten (Kritikern) zu suchen. Letztlich eine geschickte Ausweichstrategie, die Versorgungssicherheit durch Innovation ersetzt. Es wird interessant zu beobachten sein, ob man dort die üblichen Kritiker wirklich abschütteln kann.
- Sloterdijks philosophische Bestandsaufnahme von 2500 Jahren Reputation brachte erstaunliches zu Tage: Unternehmen sind kulturell nur snoch chwer in der Lage, Verantwortung zu übernehmen, da Nehmen nach unserem kulturellen Kanon mittlerweile seliger ist als (stolzes) Geben, oder wie er es nennt: Eros schlägt Thymos.
- Mehlen von McDonalds gewinnt nicht umsonst den einen oder anderen Preis: eine alle Kanäle bedienende Reputationskampagne, die nicht bei Kommunikation stehen bleibt, sondern die im Einklang mit dem Doing des Unternehmens steht, befreit McDonald's aus seiner Sackgasse - frontal.
- Die Otto Group und Thomas Voigt sind und bleiben die erntshaftesten und engagiertesten Player im C(S)R Bereich. Das Unternehmen atmet diesen Spirit, der Vortrag ebenso.
- Thomas Ellerbeck ist ganz politischer Kommunikator und führt das Unternehmen zur Reputation eines nationalen Infrastrukturanbieters. Ob sich Vodafone damit irgendwann auch die Probleme von RWE, E.ON etc. einkauft wird ein interessanter Langzeitversuch.
- Prof. Mickeleit verband Innovation (Social Media) mit einer praktischen Lehrstunde (wie tu ich's) - und bot damit sicherlich den größten direkten Nutzwert. Zumindest wurden hier die meisten Notizen gemacht.
- Die Abschlussdiskussion von Kopper, Kluge und Claassen brachte messerscharfe Analysen, klare Einsichten, geschliffene Wortbeiträge, blieb allerdings den Weg aus der Medien-, Wirtschafts- nd Management-Krise schuldig. Der steinige Weg scheint unvermeidbar.

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