Krisen sind im allgemeinen für viele Teile unsere Branche der perfekte Business Case. Und so lassen sich auch an der Schweinegrippe diverse Mechanismen professioneller Kommunikation festmachen, die mal mehr, mal weniger gelungen mit diesem Thema umgehen.
- Zum ersten ist dort die Krisenkommunikation der betroffenen Unternehmen zu nennen. Insbesondere Luftfahrtunternehmen wurden zu Beginn der weltweiten Berichterstattung an der Börse abgestraft, konnten Teile der Verluste jedoch schon wieder hereinholen - auch, wie ich meine, durch die schnelle und professionelle, an SARS geschulte Reaktion der Verantwortlichen. Mayrhuber war in New York anzumerken, dass er die Argumente und Pläne nur zücken musste, nicht erarbeiten.
- Unterstützt wird er dabei weitestgehend von den Medien. Diese, wiederum geschult an der Aufregung um ihre Berichterstattung zur Finanzkrise, gehen abgesehen von den üblichen Ausnahmen mit dem Thema bisher recht sorgfältig und verantwortungsbewusst um.
- Damit sind sie wiederum ein positives Gegengewicht, zu Nachrichten-Tools wie Twitter, die aufgrund der ihnen innewohnenden Hektik zu Übertreibungen, Falschmeldungen und Panikmache neigen. Jeder will der erste sein, der die Katastrophe gemeldet hat. Der Anteil der "swine flu" Beiträge machte immerhin schon 2% aller Tweets aus. Hier findet professionelles Nachrichtenhandwerk einmal mehr die eigene Rechtfertigung: überprüfen, moderieren, kontextualisieren tut bei Twitter niemand. Will sich das Tool in diesem Umfeld etablieren, muss es sich etwas einfallen lassen. Als Konversationsnetzwerk ist es auf solche Fälle nicht vorbereitet. Peer Control wäre sicherlich das mindeste.
- Und dann ist da natürlich noch die große Menge der Trittbrettfahrer aus der Produkt-PR. Der Examiner hat eine große Menge von Beispielen gesammelt, von Desinfektionsmitteln wie Lysol bis hin zu Anbietern von Videokonferenzsystemen, die von etwaigen Reisesperren zu profitieren hoffen. Man kann das für Geschäftemacherei halten - gerade bei diesen Beispielen jedoch sind die Verweise und Informationen eher hilfreich.
Insgesamt also verschafft H1N1 einen guten Überblick über den Status des Systems und wird sicherlich die eine oder andere Vorlage für eine Dissertation abgeben können. Der Tenor insgesamt macht dabei Hoffnung: abgesehen von einigen Ausreissern scheint die Welt bisher gut vorbereitet und besonnen. Bisher ist der Stresstest erfolgreiche als der im Rahmen der Finanzmarktkrise. Hoffen wir, dass das so bleibt.

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