Während der Bringmann Veranstaltung zur Corporate Reputation entspann sich eine kurze Diskussion über die zukünftige gesellschaftliche Rolle von Mobilfunkunternehmen. Thomas Ellerbeck verwies nicht ohne Stolz darauf, dass es dem Unternehmen gelungen sei, die öffentliche und politische Diskussion um den Mobilfunk nun endlich auf Infrastrukturniveau zu heben, soll heissen: Mobilfunk als gesamtgesellschaftlich relevantes und vor allem systemkritisches Issue zu positionieren.
Ziel dieser Positionierung: von öffentlicher und politischer Unterstützung zu profitieren, z.B. beim Erschließen der letzten weißen Flecken oder beim Nutzen der
Digitalen Dividende.
Eher spontan und inspiriert von der Vortags-Diskussion um die schwierige Position von RWE entspann sich eine kurze Diskussion um die mit einer solchen Rolle einhergehende "geistige Vergesellschaftung". Denn jeder Fehler, jede Preiserhöhung eines deutschen Infrastrukturanbieters, seien es die Energieunternehmen, die Bahn, die Mineralölfirmen etc., wird nicht vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten sondern vor der Folie sozialer Relevanz diskutiert, oder anders gesagt: Preiserhöhungen oder Ausfälle im Bereich Strom, Benzin oder Transport werden als Zumutung empfunden und nur unter lauten öffentlichen Protest akzeptiert, da sich die Akteure an den Bedürfnissen der Kunden und nicht an ökonomischen Notwendigkeiten zu orientieren hätten.
Infrastruktur gehört allen und ist wirtschaftlich niemals unabhängig. Hieße Merkel Chavez, wären diese Unternehmen es auch schon lange nicht mehr. Meine Frage in der Diskussion zielte darauf, ob Mobilfunkunternehmen auf diese negativen Seiten ihrer neuen Rolle vorbereitet sind, in ihrer politischen, aber auch in ihrer Krisenkommunikation. Der Grundtenor meiner Frage war dabei etwas skeptisch.
Knapp vier Stunden nach dieser Diskussion fiel in Deutschland das gesamte Netz von T-Mobile aus. Diese Nachricht schaffte es binnen kürzester Zeit auf sämtliche Titelseiten - aber nicht auf die Homepage des Unternehmens.
P.S. Ich bin ebenfalls T-Mobile Kunde. Nach einer Stunde Netzwerksuche verließ mich jegliche professionelle Distanz und ich rief wie alle anderen am Flughafen Tegel: "Unverschämtheit!"
Kommentiert von: Carsten | 23. April 09 um 07:10 Uhr