Der Trendtag 2009 hat es unter dem Titel "Share and win" ausführlich thematisiert: "Die ungehobenen Ressourcen von morgen sind nicht Rohstoffe, sondern menschliche Beziehungen. Nicht Bohrtürme und Schaufellader, sondern soziale Kultur und digitale Netzwerke werden die Beziehungen zu einem neuen Reichtum ermöglichen."
Die Fidor AG nimmt diese Trendbeschreibung mit dem Portal "Fidor Community Banking" unter dem Claim "Banking mit Freunden" nun wörtlich. Deutlich im Windschatten des durch die Finanzkrise ausgelösten Vertrauensverlustes der Geschäftsbanken setzt sie eine Finanzplattform auf, die zwar eigene Banking-Produkte verkauft, jedoch allen Teilnehmern der Plattform deren Beschreibung, Bewertung und Empfehlung ermöglicht. Oder anders: die Bank stellt sich permanent ihren Kunden.
Dabei verletzt das Unternehmen so nahezu jede Regel klassischen Marketings für Bankprodukte, sowohl in der medialen Ausgestaltung des Marketings als auch auf der inhaltlichen Ebene: das Corporate Design der Plattform sowie die Rating-Funktionen sind näher an Amazon als an einer Privatbank und die AG kommuniziert über Youtube, Twitter und Blog statt über Anzeigen, Broschüren und Telefon.
Was zunächst aber modern und "trendig" wirkt, lässt am Ende doch einige Fragen offen. Denn ob die völlige Aufgabe des Prinzips "Vertrauen" zugunsten des Prinzipis "Transparenz" wirklich zielführend ist oder letztendlich sogar auf ein nicht seriöses Angebot hinweist, bleibt auch nach längerer Lektüre offen. Wording und Werbung auf Plattform und Broschüre jedenfalls sind für dieses Thema und in diesem Umfeld auf Dauer zu marktschreierisch. Geld bleibt - zumal in Deutschland - auch Vertrauenssache, da es schließlich die existenzielle Basis der meisten Menschen darstellt. Vertrauen und Transparenz sollten sich deshalb in Auftritt und Angebot ergänzen und nicht widersprechen.

Kommentare