Horizont überrascht die Branche mit folgender Headline: "Jungplaner mobben Printtitel. Medienmacher kritisieren persönliche Interessen von Agenturmitarbeitern." Kernaussage des Artikels und des Spiegel-Anzeigenleiters Fackklam: Weil viele jüngere Mediaplaner Blätterwerk nur noch vom Hörensagen kennen, buchen Sie dort auch keine Anzeigenplätze mehr. "Rund 80 Prozent der Mediaplaner sind derzeit unter 35 Jahre alt. Sie fallen damit genau in die Altersgruppe, die Newsportale durchstöbert, statt in der Tageszeitung zu blättern." (Horizont, 14.5.2009, S. 1)
Was an dieser Aussage interessant ist, ist nicht die Tatsache selber, sondern die Chuzpe mit der die Print-Anzeigenleiter den Spieß umdrehen, und ihren Kunden und MIttlern bösen Willen, Unwissenheit und mangelnde Professionalität attestieren. Experten wie Facklam verschwenden keinen Gedanken daran, dass sie nun auch bei den Profis dem begegnen, was ihre potentiellen Zielgruppen schon länger auszeichnet: Desinteresse.
Die Generation der 30somethings ist für Print-Titel eine "lost generation". Druckwerk hat als Format versäumt, seine Daseinsberechtigung nachzuweisen und ist aus der Lebenswelt einer ganzen Generation verschwunden. Dieser fehlt nämlich, was noch für fast jeden 40-jährigen selbstverständlich ist: die Gewohnheit des Umgangs und die Erfahrung des Mehrwertes von Papier. Auch TV und Radio stehen unter Druck, haben allerdings (bisher) klar definierte mediale und inhaltliche Nischen, und werden deshalb wahrgenommen und gebucht. Als Tages- oder Wochenzeitung jedoch nicht mehr als eine langsame und unhandliche Kopie des Internets zu sein, genügt wohl kaum um "added value" abzubilden.
Wenn das Medium Zeitung noch eine Chance haben will, muss es sich selbst neu erfinden. Solange es auch weiterhin keine konservativeren Unternehmer gibt als Verleger, folgt die Entwicklung des Mediums schlicht und einfach demographischen Regeln: was ich heute nicht gesät habe, werde ich morgen nicht ernten können - und fehlt mir übermorgen erst recht.

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